Meine Motivation - mein Weg

Als ich Mitte Zwanzig war, schenkte mir meine Mutter ein Diktiergerät. Ich hatte mich beschwert, dass mir abends im Bett so viele Sachen einfielen, ich aber nicht alles niederschreiben konnte. Denn das hätte bedeutet: Licht anmachen. Im Bett aufsetzen. Zu Stift und Block greifen. Alles notieren. So kam ich in den Besitz des Diktiergerätes.

 

Leider stellte sich heraus, dass all meine wohlsortierten Gedanken in dem Moment verschwanden, als ich auf die Record-Taste drückte. Ein paar Mal probierte ich es noch, danach lag das Gerät ungenutzt auf dem Nachttisch. Stift und Papier waren wieder gefragt, wenn sie auch nicht optimal waren: Meine Gedanken reihten sich schneller aneinander, als ich schreiben konnte. Bin ich froh, dass ich heute eine Tastatur habe! Wenn auch nicht am Bett ...

 

Damals, ich studierte gerade, hatte ich eine unbändige Lust einzelne Wörter so zusammenzusetzen, dass alles einen Klang bekam. Meinen Klang. Am liebsten schrieb ich über Menschen und ihre Marotten. Meine Protagonisten hatten Freude an meinen Karikaturen und so entschied ich mich eines Tages, das Schreiben zum Beruf zu machen.


Beruf oder Berufung?

Mit meinem Job ging es mir so ähnlich wie mit dem Diktiergerät: Ich lernte zwar, sehr gute Texte für Unternehmen, Zeitschriften und Bücher zu schreiben. Doch die Lust am Fabulieren versiegte. Es gab keine Nächte mehr, in denen ich wach lag und meine Gedanken auf Papier festhalten musste!

Es folgte eine lange Phase des beruflichen Schreibens. Ich spürte, diese Art zu schreiben war nur ein Teil eines großen Ganzen. Doch was war dieses große Ganze? Ich habe lange danach gesucht. Ausbildungen angefangen und wieder verworfen. Neue Wege eingeschlagen und wieder verlassen.

Inzwischen habe ich kein Bedürfnis mehr, das große Ganze zu erforschen. Stattdessen bin ich dabei, mir das Schreiben zurückzuerobern,

so wie ich es kennengelernt habe: wild und frei.

Hast du Lust mitzumachen?

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