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„Wo kann ich meinen Müll abladen?“

Kennst du diese Menschen, die alles vom Stapel lassen, wenn du ihnen freundlich begegnest? Ein höflicher Satz zu viel, und schon übergießen sie dich mit ihrem Ärger, ihren Sorgen, ihrer Meinung zu was auch immer. Und du hast keine Chance mehr, sie zu stoppen.

 

An dieser Stelle gestehe ich, dass ich mich manchmal genauso mitteilungsbedürftig fühle. Und drauflosplappere ohne Luft zu holen. Um dann irgendwann innezuhalten und leicht beschämt zu sagen: „Oups! Ich rede die ganze Zeit!“ Allerdings passiert mir das nur mit guten Freundinnen oder Bekannten, die normalerweise gerne an meinem Leben teilhaben.

 

Wen ich meine, sind wildfremde Personen oder leichte Bekannte. Man soll ja stets freundlich sein und ein gutes Wort für andere übrighaben. Das habe ich. Ist mir erst neulich passiert. Ich habe etwas sehr Nettes, Unverfängliches bei der Begegnung auf der Straße gesagt. Nur einen Satz.

 

Wummms! Da knallte mir mein Gegenüber seinen Unmut vor die Füße. Was heute falsch lief. Was gestern falsch lief. Was auf der ganzen Welt falsch läuft. Nicht zu vergessen, die Wut, die es in ihm hervorrief. Nach 5-minütigem Redeschwall und steigender Lautstärke schaute ich vorsichtig nach rechts und links. Mir war, als hätte ich jemanden die Straße entlanglaufen sehen. Ob das so okay ist, wenn ich hier mit einem brüllenden Zeitgenossen stehe!?

 

Es half ja alles nichts! Ich konnte nicht einfach weiterlaufen. Denn die Person redete und redete. Ich konnte sie auch nicht unterbrechen. Sie redete und redete. Da gab es keine Lücke zum Einhaken. Nachfragen wäre auch ungeschickt gewesen. Das hätte ein weiteres Themenfass öffnen können.

 

Mein Blick glitt immer wieder zum Briefkasten, der in 50 Metern Entfernung stand. Ich wollte noch vor seiner Leerung meine Post einwerfen, die ich in der Hand hielt. Da! Das Postauto hielt davor. Jetzt wurde es eng für mich. Meine Beine setzten sich in Bewegung, meine Hand wedelte mit dem Brief, ich stammelte: „Den muss ich … da drüben …!

 

Ja, ich hatte mein Gegenüber auf diese Weise rüde unterbrochen. Sofort stoppte er seinen Redeschwall, sagte „Tschüss“ – so ein hartes Tschüss, nicht länger als ein Zischen – und zog brummend davon.

 

Wie fühlte ich mich schlecht!

 

Auf dem Nachhauseweg zermarterte ich mir den Kopf, warum ich mich dazu habe hinreißen lassen so unhöflich zu sein. Bis es mir dann dämmerte: Moment mal! Hatte ich um dieses Gespräch gebeten? Wollte ich diese Informationen haben? Hatte ich bekundet, dass ich dafür Zeit und ein offenes Ohr hatte? Nein! Im Gegenteil.

 

Das ist nur ein Beispiel unter vielen einseitigen Gesprächen, die ich schon im Alltag oder bei der Arbeit erlebt habe. Denn auch am Telefon lassen sich Monologe führen. Ein Unternehmer erzählte mir, dass er immer seine Korrespondenz erledige, während ihm jemand am Telefon seine Meinung in 100 verschiedenen Varianten vortrage. Traurig, nicht wahr?

 

Eigentlich wollen wir das doch alle nicht, unterstelle ich jetzt mal auch jenen, die so mitteilungsbedürftig sind. Oder täusche ich mich?

 

Bild: © Robynrg, shutterstock.com

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