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Angst vorm weißen Blatt? Mach’s dir bunt!

Kennst du auch diese Unlust, die dich überkommt, wenn du einen Text schreiben sollst? Wenn du es ständig aufschiebst und dein Schreib-Ziel nie erreichst? Mehrere Freunde und Bekannte von mir planen seit langem, mit ihrem Business sichtbar zu werden und ihre eigene Homepage zu erstellen. Doch es passiert: nichts. Jedenfalls nichts, das vorzeigbar wäre.

 

Kommt dir das bekannt vor? Eine Freundin gestand mir: „Mein Webdesigner sagt, ich solle ihm meine Texte liefern. Doch ich kann’s nicht! Ich sitze da, und mir fällt nichts ein.“ Das war der entscheidende Hinweis zur Selbsterkenntnis. „Das kann ich auch nicht“, sagte ich zu ihr. Sie war überrascht. „Du hast eine Schreibblockade?“

 

Ja! Allerdings fühle ich mich durch sie nie beeinträchtigt, weil ich unbewusst schon immer diverse Hilfsmittel nutze: Ich mache mir das sprichwörtliche weiße Blatt einfach bunt!

 

Bleiben wir beim Beispiel meiner Freundin: Seit ich Freiberuflerin bin, texte ich ungerne Webseiten für meine Kunden. Für mich selbst habe ich jedoch schon einige Seiten erstellt und mit Content befüllt. Denn:

 

Der Unterschied liegt in der Vorgehensweise!

Ein Kunde ruft an und sagt: „Meine Website wird überarbeitet. Mein Web-Designer braucht neue Texte.“ Dann sitze ich da und habe keine Vorstellung davon, wie die neue Seite aussehen wird. Wie soll ich dafür einen geeigneten Text verfassen? Handwerklich ist das kein Problem. Doch wenn der Text auch ein Gefühl für den Menschen und sein Angebot transportieren soll, wird das schwierig.

 

Erstelle ich mir selbst eine Website, dann suche ich mir ein Layout aus oder lasse mir von einem Grafiker eines nach meinen Wünschen entwerfen. Erst dann schreibe ich meine Texte. Ich weiß, wie viel Raum ich habe, welche Zusatzelemente es gibt, wie das Schriftbild wirkt, welche Bilder mich unterstützen. Ich kenne das Zuhause, in dem ich mich bewegen darf. Und dann komme ich in Bewegung. Sofort.

 

Früher, als ich noch in einer PR-Agentur beschäftigt war, gab es immer zuerst einen Entwurf. Dann kam der Text. Für den Feinschliff saß ich neben dem Grafiker oder Setzer, schaute aufs Bild und brachte die noch fehlenden Wörter ein. Perfekt! Das machte großen Spaß.

 

Erkennst du den Unterschied? Jemand verlangt von dir, dass du einfach so ins Blaue schreibst. Kein Wunder, dass die Aufschieberitis nicht lange auf sich warten lässt … Oft sind es nicht einmal andere, die das von dir verlangen. Dann bist du selbst es, die etwas Perfektes erschaffen will und scheitert: „Ich kann das einfach nicht! Ich werde das nie schaffen!“ Dabei liegt es oft nicht an dir, sondern an der Art und Weise, wie du Informationen am liebsten verarbeitest.

 

Hilfsmittel 1: In ein fertiges Layout schreiben

Meiner Freundin gab ich den Rat, sich bei einem Homepage-Baukasten-Anbieter zu registrieren und kostenlos eine eigene Seite zu erstellen. Gerade die „What you see is what you get“-Systeme sind so einfach zu verstehen, dass sich mit wenig Aufwand eine ansehnliche Seite erstellen lässt. Meist werden Hintergrund- oder andere Bilder sowie erste Design-Elemente mit angeboten. Schon die ersten Schreibversuche sind sichtbar – und das Gesamtbild der eigenen Seite oder eines Beitrags entsteht.

 

Der Anfang: Nichts wichtiger als das

Na, wie fühlt sich das an? Kannst du dir vorstellen, deine Texte so zu verfassen? Direkt in ein fertiges Layout? Probiere es aus! Auch wenn später eine andere Person die richtige Website für dich erstellen soll: Du hast damit eine Vorlage geschaffen, an der man sich orientieren kann. Und was viel wichtiger ist: Du hast die ersten Texte! Jetzt kann alles wachsen. Vielleicht startest du mit deiner Landeseite, vielleicht mit deiner „Über-mich“-Seite oder einem Blog-Beitrag: Beim Schreiben gibt es für mich nichts Wichtigeres als einen Anfang zu haben. Egal, wie dieser aussieht. Egal, ob er später komplett überarbeitet wird. Der Anfang ist gemacht!

 

Hilfsmittel 2: Eine visuelle Brücke bauen

„Für eine Homepage mag das ja gut funktionieren“, sagst du dir vielleicht. „Aber wenn ich einfach nur einen banalen Text schreiben will? Wenn es kein Layout gibt oder ich es nicht erforschen kann?“ Dann erschaffst du dir deine eigene ansprechende Form, eine visuelle Brücke! Es kommt oft vor, dass ich mich einige Minuten in das Vergrößern und Einfärben von Schriften, das Setzen von Unterstrichen oder Zeilenabständen verliere – ohne eine Silbe ordentlichen Text haben zu müssen. Das sieht dann in etwa so aus:

 

Hier kommt meine Überschrift hin

Hier der Untertitel zur Überschrift

 Mit dem ersten Abschnitt hole ich meine Leser rein. Ich spreche sie direkt an und erzähle ihnen, warum ich das hier schreibe.

 

Ein Zwischentitel vielleicht?

 Dann gehe ich dazu über, das Problem genauer zu beschreiben …

 

Ich gebe zu, dass mir meist direkt passable Formulierungen einfallen. Doch sie sind niemals verbindlich. Nur ein Anfang. Und du weißt ja inzwischen, was ich von einem Anfang halte: Er ist der Schlüssel zum Überwinden einer Schreibblockade. Auch wenn er nur aus Word-Formatierungen besteht, die Struktur und Aussehen des späteren Textes vorgeben.

 

Hilfsmittel 3: Passende Bilder aussuchen

Wenn Struktur und Typografie nicht das Richtige für dich sind, können dir auch Bilder helfen, den Schreibfluss in Gang zu bringen. Wenn du in den Mitmach-Bereich des Schreibgartens gehst und dir das Bild zum „Klapprad“ anschaust, wirst du schnell bemerken, wieviel leichter es fällt darüber zu schreiben. Dem Bild sei Dank. Suche dir Bilder zu deinem Thema oder deiner Schreibaufgabe und lade sie in dein leeres Text-Dokument (bei Bildagenturen darfst du Vorschau-Bilder mit Wasserzeichen oft ohne Probleme herunterladen). Schon wird es bunt!

 

Welche Hilfsmittel nutzt du gegen deine Schreibblockaden? Mit welchem Erfolg? Hinterlasse gerne deinen Kommentar dazu!

 

Bild Website: © Haywiremedia, shutterstock.com, Bild im Hintergrund: © Ganna Tokolova, shutterstock.com

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