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Wirken und Sein statt Brummen und Saugen

Wie haben die Menschen früher Krümel aufgesammelt, als es noch keinen Staubsauger gab? Diese Frage kam mir bei der Gartenarbeit in den Sinn. Denn die Antwort lautet: mit dem Besen. Der Besen ist ein sehr leises Arbeitsgerät, genauso wie mein Holzrechen, mit dem ich das geschnittene Gras vom Rasen harkte.

 

Die sanften Bewegungen, die Stille um mich herum, der Sonnenschein, die zwitschernden Vögel: Ich habe es regelrecht genossen, diese Arbeit zu tun. Ich spürte sie förmlich, die Verbundenheit mit der Natur. Mal war es der Boden unter mir, mal die Luft, die ich abwechselnd mit meinen Bewegungen streifte – und dazwischen wirkte ich, der Mensch.

 

Es mag seltsam erscheinen, doch es ist gar nicht so lange her, als ich die Frage laut stellte: Wie haben die Menschen früher sauber gemacht, wenn nicht mit dem Staubsauger? Ich gehöre einer Generation an, für die dieses Gerät eine Selbstverständlichkeit ist. Deshalb halte ich es für zulässig, im Alltag gar nicht darüber nachzudenken, wie es ohne gegangen sein mochte. Mit dem Besen. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Klar! Der Besen!

 

Mein Partner brachte eines Tages von seinen Streifzügen durch die Baumärkte einen wunderschönen hölzernen Besen mit. Seither benutze ich ihn oft anstelle des laut tosenden Staubsaugers. Kehren ist still. Ein-kehr. Kehren hat etwas Sanftes, wenn die weichen Haare über den Boden gleiten. Ich sehe, was ich kehre. Es verschwindet nicht vor meinen Augen geräuschvoll in einem schlecht schließenden Müllsäckchen. Nein. Das, was beim Leben abfällt, ist noch da. Ich kann es anhäufen und am Ende mit der kleinen Schaufel bewusst entsorgen. Mich langsam verabschieden.

 

Ich lade jeden ein, im Haushalt oder Garten einmal das Stille, Langsame zu wählen. Als Abwechslung zu den lauten, schnellen Hilfsmitteln, die uns heute zur Verfügung stehen. Als Alternative zu den kleinen Robotern, die alles für uns erledigen und uns damit (vielleicht?) abschneiden vom Leben, Wirken und Sein.

 

Bild: © Aksenova Natalya, shutterstock.com

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